Zur Zur Philosophie des Begriffs Ki

Statt "Newton" lieber "Bohr" als Erklärungsmodell für Ki?

  • Petra Schmidt Selbstständig
Schlagworte: Kampfkunst, ki, Ki-Karate, Quantenphysik, Wellenfunktion, Wechselwirkungen, Sprache, Haltungen, Welle-Teilchen Dualismus, Philosophie, Erklärungsmodell, Weltsicht, Wirklichkeit, Energiequanten, Masseteilchen

Abstract

In diesem Artikel geht es um Ki in den Kampfkünsten, dargestellt anhand der Übungsmethode Ki-Karate und um die Notwendigkeit neuer Erklärungsmodelle für den Begriff Ki. Denn „[w]enn wirkliches Neuland betreten wird, kann es [...] vorkommen, dass nicht nur neue Inhalte aufzunehmen sind, sondern sich die Struktur des Denkens ändern muss, wenn man das Neue verstehen will“ (Werner Heisenberg 1969, S. 114).
Wie können wir die Struktur unseres Denkens verändern, um Ki verstehen zu können? So lautet die Kernfrage. Ein anschauliches Beispiel dafür liefert folgende Geschichte:
Albert Einstein wusste um diese Grenzen unseres Weltbildes, unseres Denkens und unserer Sprache und hat vielleicht ganz passend reagiert, als während eines Vortrags über die Relativitätstheorie ein Zuhörer — mit typisch naturwissenschaftlicher Sicht — aufstand und spöttisch rief: „Mein gesunder Menschenverstand lehnt alle Dinge ab, die man nicht sehen kann!“ Gelassen entgegnete Einstein: „Dann kommen Sie bitte nach vorn, und legen Sie ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“ Einstein ahnte schon lange, dass es viele Dinge gibt, die nicht mehr in newtonsche oder kepplersche Vorstellungen von Welt und Wirklichkeit hineinpassten.1

Auch der Begriff Ki passt nicht in die noch immer vorherrschenden Annahmen der modernen Wissenschaften, welche Erkenntnisse auf so genannte objektive Aussagen und Inhalte zu reduzieren versuchen, einen materiellen Gehalt der Wirklichkeit konstruieren und allein diesen betrachtet. Mittlerweile sind in der Mathematik viele Operationen möglich, die in unserer Vorstellungswelt keine Entsprechung haben und die wir sprachlich nicht mehr oder noch nicht ausdrücken können. Schon die Zahl „unendlich“ hat in der Vorstellungswelt der meisten Menschen keine Entsprechung mehr. Eine Zahl mit unendlich vielen Stellen nach dem Komma ist ähnlich „unvorstellbar“. Doch vielleicht erahnen wir in besonderen Momenten, in Träumen, in der Kunst, in der Literatur, der Musik, in der Liebe zu unserem Partner oder unserem Kind oder auch im Leistungssport, dass es neben den erklärbaren Wirklichkeitsmomenten noch weit mehr gibt in unserer Welt.

In der modernen naturwissenschaftlichen Welt wird nur dem, was materiell nachweisbar ist, Existenz zugesprochen. In dieser Weltsicht wird Existenz mit Materie gleichgesetzt, selbst wenn wir seit Carlo Rubbias experimentellem Nachweis im Jahr 1984 wissen, dass die Struktur der Materie durch übergeordnete energetische Wechselwirkungsquanten gesteuert wird und die energetischen Wechselwirkungsquanten etwa eine Milliarde Mal mehr vorhanden sind in dem, was wir Materie nennen, als die Masseteilchen.
Die Vorstellung von Wellen, die nicht physisch existieren und doch physische Auswirkungen haben, verlangt andere Weltbilder. Die Vorstellung von Ki offensichtlich ebenso.

Veröffentlicht
2020-05-16
Zitationsvorschlag
Schmidt, P. (2020). Zur Zur Philosophie des Begriffs Ki. Journal of Martial Arts Research, 3(2), 16. https://doi.org/10.15495/ojs_25678221_32_138
Rubrik
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